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News

Bericht im Mannheimer Morgen: Schüler ackern für die Umwelt

04/01/2019
Mannheim.Masa kommt auf ihre Mitschüler zu. Sie reckt den Arm in die Höhe, hält eine kleine Kartoffel in der Hand. „Schaut, was ich gefunden habe“, strahlt die Elfjährige. Kartoffeln ernten – das ist normalerweise nicht die Haupttätigkeit der Kinder und Jugendlichen, die die Karl-von-Drais-Schule (KvD) in Neuostheim besuchen. Aber sie machen sich die Finger gerne schmutzig – weil sie die Knollen selbst angebaut haben.
 
„Mannheimer Gemeinschaftsacker“ – so nennt sich ein Projekt, das Lehrer Richard Leiner im Frühjahr 2018 ins Leben gerufen hat. „Gemeinsam mit den Naturschutzverbänden ,Naturschutzinitiative’ und ,Pollichia“ bearbeiten wir direkt an unserer Schule einen etwa ein Hektar großen Acker. Ziel ist nicht nur der Anbau von Lebensmitteln, sondern auch die Erhaltung des Gebiets als Lebensraum für wildlebende Wildpflanzen und -tiere“, berichtet Leiner. Er deutet auf die Fläche, die ein paar Hundert Meter entfernt vom Maimarktgelände liegt. Und damit mitten in einem Gebiet, für das die Stadt wegen des Baus der benachbarten SAP Arena vor 14 Jahren ein aufwendiges Artenschutzprogramm startete. Grund: Die Umsetzung des Großprojekts gefährdete die Population des vom Aussterben bedrohten Feldhamsters. Seitdem lässt es sich Mannheim mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg pro Jahr rund 160 000 Euro kosten, die Lebensbedingungen für die kleinen Nager zu verbessern.
 
Besuch in Aufzuchtstation
 
Zentraler Teil des Programms ist die Zusammenarbeit mit dem Institut für Faunistik, das am Heidelberger Zoo eine Hamster-Aufzuchtstation betreibt. Dort waren Drais-Schüler schon zu Besuch. „In diesem Areal gibt es die letzten Feldhamster Baden-Württembergs“, sagt Leiner. Deshalb lasse man einen Teil des Felds auch brach liegen. Die Pflanzen dürfen wachsen – und den possierlichen Tierchen Schutz geben. Wegen der vielen natürlichen Feinde – zum Beispiel Greifvögel – sei „Deckung ganz wichtig“.
 
Das kann Ulrich Weinhold vom Institut für Faunistik bestätigen: „Die Hamster haben viele Feinde und deshalb naturgemäß hohe Verluste“, berichtet er im Gespräch mit dieser Zeitung: „Ihr Überleben hängt von der Deckung ab.“ Wegen der Intensiv-Landwirtschaft seien die Stellen, an denen die Tierchen unterschlüpfen können, aber stark zurückgegangen. 2018 kam der heiße Sommer und die dadurch verursachte „extrem frühe Ernte“ dazu. So hätten die Hamster mindestens vier Wochen lang weniger Deckung als in anderen Jahren gehabt.
 
„Pflügen ist nicht gerade toll“
 
Weinhold freut sich über das Projekt der Schule. Es fördere das Umweltbewusstsein und gehe mit der extensiven Bewirtschaftung des Landes „genau in die richtige Richtung“. Leiner blickt sich um und sagt: „Das sieht alles sehr amateurhaft aus hier. Ist es aber nicht.“ Denn dahinter stecke ein naturnahes Konzept. Der Lehrer und seine Schüler verzichten auf chemische Dünger, versuchen, ihr eigenes Saatgut zu erzeugen und arbeiten so klimaneutral wie möglich – „mit Muskelkraft“. Deshalb „spannt“ Leiner die Kinder vor den Pflug. Die legen sich voll ins Zeug und ackern für die Umwelt.
 
Lauch und Kartoffeln, Weizen, Rote Bete, Sonnenblumen und Buschbohnen: Diese und weitere Pflanzen stehen auf der Liste, die sich die Schüler vorgenommen haben. „Wir haben noch Expansionsfläche“, denkt Leiner weiter: „Das Projekt soll wachsen, wir stehen am Anfang“, sagt der Pädagoge. Aber schon jetzt beteiligt er neben der Umwelt-AG die ganze Schule.
 
Zum Beispiel, wenn beim Tag der offenen Tür der Marktstand betrieben werden muss. Oder auf dem Gemeinschaftsacker Bodenuntersuchungen anstehen, Hamsterbauten gesucht und Insektenhabitate kartiert werden.
 
Viele Schüler hätten zunächst nicht einmal gewusst, was Pflügen bedeutet, lacht Leiner. Und jetzt machten sie es selbst. „Pflügen ist nicht gerade das tollste“, gesteht der 13-jährige Alex ein. „Aber es muss halt sein.“ Denn am Ende freuen sich alle über den Ertrag. Wie Masa erntet Alex gerne die Kartoffeln, die er und seine Mitschüler angebaut haben: „Das hat Spaß gemacht – und wir haben etwas in der Tüte.“
 
© Mannheimer Morgen, Freitag, 04.01.2019
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